Hilfsmittel für Kinder mit Behinderung
Euer Kind verdient volle Teilhabe
Kinder sind neugierig, wollen sich bewegen und dabei die Welt entdecken, unabhängig davon, ob sie mit oder ohne Einschränkungen leben. Doch wie sieht es aus, wenn Euer Kind in seiner Mobilität, seiner Kommunikation oder in der alltäglichen Teilhabe eingeschränkt ist?
Wir bei Querleben unterstützen Euch als Eltern und Betroffene dabei, Euch durch das Hilfsmittelverzeichnis (HVV) zu navigieren. Was steht Eurem Kind zu? Woher bekommt Ihr das passende Hilfsmittel? Und wie funktioniert das eigentlich mit der Kostenübernahme?
Unser Ratgeber führt Euch Schritt für Schritt durch die wichtigsten Themen rund um Hilfsmittel für minderjährige Kinder mit Behinderung, damit Euer Kind genau die Unterstützung bekommt, die es für ein aktives Leben benötigt.

Hilfsmittelversorgung Behinderung: Was genau sind Hilfsmittel?
Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung oder chronischen Krankheiten können die Teilhabe und die kognitiven sowie sozialen Fähigkeiten fördern und so in den verschiedensten Bereichen wie Bildung, Freizeit und Bewegung unterstützen. Sie sind deshalb oft wichtige Helfer, wenn es um die bedarfsgerechte Entwicklung, Selbstständigkeit und auch Lebensfreude geht.
Definition: Was zählt als Hilfsmittel?
Laut Definition handelt es sich bei einem Hilfsmittel um ein medizinisches und mobiles Gerät bzw. Gegenstand, der eine Behinderung ausgleicht, lindert oder deren Folgen reduziert.
Beispiele für häufig im Alltag vertretene Hilfsmittel sind unter anderem
- Rollstühle (manuell oder elektrisch),
- Sprachcomputer (Talker),
- Orthesen und Prothesen,
- Windeln und weitere IKM-Hilfen bei Inkontinenz,
- Gehhilfen, Stehtrainer sowie Therapiestühle,
- Sensorik-Spielzeug, um die Wahrnehmung zu fördern,
- Pflegebetten, Duschhilfen und Toilettensitze sowie
- Kommunikationshilfen wie Taster und Symbolkarten.
Welche Hilfsmittel für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen gibt es?
Vor allem das Angebot an Hilfsmitteln für Kinder mit Behinderung ist vielfältig und nahezu jeder Lebensbereich kann mit einem passenden Gerät oder Gegenstand unterstützt werden, von der Kommunikation über die Mobilität bis hin zum Spielen und Schlafen.
Einige Beispiele aus dem Hilfsmittelverzeichnis (HVV) findet Ihr nachfolgend:
Hilfsmittel: Sitzhilfen (PG 26)
Ob beim Essen, Spielen oder Lernen: Stabil zu sitzen erleichtert Eurem Kind viele Aufgaben und gibt ihm Sicherheit, während in der Regel automatisch auch die Konzentration und Haltung aus Eigenkraft verbessert wird.
Beispiele:
- Sitzschalen
- Therapiestühle
- Therapietische
Hilfsmittel: Stehen und Laufen
Nicht jedes Kind kann eigenständig stehen oder laufen, aber viele können es mit Unterstützung lernen oder zumindest aufrechter stehen. Diese Arten von Hilfsmitteln helfen so dabei, eigenständiger unterwegs zu sein und fördern oft auch die Verdauung (wenn sich sonst nicht viel bewegt wird), das Knochenwachstum sowie die Selbstwahrnehmung.
Beispiele:
- Stehhilfen (PG 28)
- Rollatoren
- Gehhilfen (PG 10)
- Orthesen und Prothesen (PG 23 / PG 24)
Hilfsmittel: Mobilitätshilfen
Vor allem Kinder brauchen Bewegung für ihre körperliche und geistige Entwicklung. Mobilitätshilfen unterstützen deshalb behinderte oder chronisch kranke Kinder, sich freier und selbstbestimmter zu bewegen. So kann Euer Kind etwa an Ausflügen, Kita-Tagen oder Familienreisen teilhaben, ohne dass seine Einschränkungen zu einem Hindernis werden. Ein weiterer Vorteil ist zudem, dass Mobilitätshilfen oft auch die kognitiven sowie sozialen Fähigkeiten fördern.
Beispiele:
- Kinderrollstühle
- Rehabuggys
- Therapieräder
- Bewegungs- und Gehtrainer
- Antriebssysteme
Hilfsmittel: Schlafen und Lagerung
Lagerungshilfen entlasten nicht nur Euer Kind, sondern erleichtern vor allem Euch als Eltern die Pflege, besonders bei nächtlichen Umlagerungen oder dem Transfer ins Bett.
Beispiele:
- Lagerungssysteme (PG 20)
- Pflege- und Reisebetten
- Lagerungskissen
- Spezielle Matratzen
- Treppenhilfen
Hilfsmittel: Kommunikationshilfe (PG 16)
Sich mitteilen zu können, ist eine grundlegende Voraussetzung für Teilhabe. Kinder mit Sprach- oder Entwicklungsverzögerungen profitieren daher besonders von unterstützenden Hilfsmitteln wie Kommunikationshilfen, die ihnen dabei helfen, ihre Bedürfnisse, Gedanken und Gefühle klarer auszudrücken. Das fördert zum einen ihre Fähigkeit, sich zu verständigen, aber auch das Selbstbewusstsein sowie die soziale Integration.
Beispiele:
- Eingabehilfen
- Sprachcomputer
- Gebärden
- Symbole & Taster
- Kommunikationshilfe durch Augensteuerung
Hilfsmittel: Bad- und Duschhilfen (PG 04)
Hygienehilfsmittel, worunter Bad- und Duschhilfen fallen, helfen Kindern mit Behinderung dabei, die tägliche Hygiene, zumindest teilweise, selbstständig durchzuführen, was sie besonders wichtig für Kinder mit motorischen Einschränkungen macht.
Beispiele:
- Badeliegen, Duschstühle, Toilettenhilfen (PG 33)
- Badewannen & Badewannensitze
- Spezielle Wasch- und Wickeltische
Hilfsmittel: Spielen und Lernen
Spielen ist Lernen und genau deshalb brauchen auch Kinder mit Behinderung Zugang zu spielerischer Förderung. Spezielle Spielhilfen ermöglichen dabei die Teilhabe am Gruppenleben und fördern gleichzeitig Motorik sowie kognitive und soziale Fähigkeiten.
Beispiele:
- Tisch- und Sinnesspielzeug
- Adaptiertes Spielzeug
- Klangspiele & Musik
- Bewegungsspiele
- Spezielle Bücher
Hilfsmittel: Unterwegs & Reisen
Als Eltern von einem Kind mit Behinderung ist man nicht immer flexibel. Um den Weg zum Arzt, Ausflüge oder auch Urlaube jedoch zumindest etwas stressfreier und komfortabler zu gestalten, gibt es auch hier Hilfsmittel, die womöglich für Euch bzw. Euer Kind infrage kommen.
Beispiele:
- Mobile Rampen
- Reisebetten mit Stützfunktion
- Fahrzeuge & Fahrzeug-Anpassungen
- Reha-Autositze
- Reha-Gurtsysteme und Positionierungshilfen
Hilfsmittel: Inkontinenzhilfen | IKM-Hilfsmittel (PG 15)
Inkontinenz (Harn- oder Stuhlinkontinenz) ist nach wie vor ein Thema, über das nur selten offen gesprochen wird. Dabei stellt sie für viele Familien eine zusätzliche Herausforderung im Alltag dar, besonders dann, wenn Informationen fehlen oder Unterstützung ausbleibt. Oft wissen Eltern gar nicht, welche Möglichkeiten es gibt, um ihr Kind bestmöglich zu unterstützen. Dabei stehen heutzutage viele praktische Hilfsmittel zur Verfügung, sodass sich Euer Kind jederzeit sicher und wohlfühlen kann. Sie bringen ein Stück Normalität zurück und entlasten auch Euch als Familie spürbar im Bereich Pflege.
Die Versorgung mit Inkontinenzmaterialien (IKM) ist dabei ein eigenständiger Bereich und betrifft Kinder, die dauerhaft oder vorübergehend auf aufsaugende oder ableitende Hilfsmittel angewiesen sind, zum Beispiel bei Harn- oder Stuhlinkontinenz infolge einer körperlichen oder neurologischen Beeinträchtigung.
Beispiele für aufsaugende Inkontinenzhilfen:
- Windeln und Inkontinenzhosen/Pants in Kindergrößen
- Einwegslips und Inkontinenzvorlagen
- Fixierhosen zur Positionierung von Vorlagen
- Waschbare Inkontinenz-Unterwäsche
Beispiele für ableitende Inkontinenzhilfen:
- Externe Urinableiter mit und ohne Beutelsystem (z. B. Urinalkondome wie Rolltrichter)
- Urinbeutel (Beinbeutel oder Bettbeutel)
- Einmalkatheter (Intermittierender Selbstkatheterismus, ISK)
- Ballonkatheter und Suprapubischer Katheter
- Urinauffangsysteme für Rollstuhlfahrer
- Urinalbandagen
Weitere unterstützende IKM-Hilfsmittel für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
Neben den klassischen aufsaugenden und ableitenden Produkten gibt es eine Reihe weiterer Hilfsmittel, die je nach individueller Situation sinnvoll sein können:
- Toilettenhilfen wie Toilettensitzerhöhungen, mobile Toilettenstühle oder Urinflaschen und Steckbecken, wenn der Gang zur Toilette schwerfällt oder nicht möglich ist.
- Hilfsmittel bei Stuhlinkontinenz, darunter fallen zum Beispiel Stuhlauffangbeutel (Fäkalkollektoren).
- Pflegehilfsmittel zum Verbrauch wie Bettschutzeinlagen, Einmalhandschuhe oder Desinfektionsmittel.
Versorgung mit Hilfsmitteln für Minderjährige: Was bedeutet das konkret?
Bei der Hilfsmittelversorgung geht es vor allem darum, für Euer Kind ein individuelles Hilfsmittel-Paket zusammenzustellen, das nicht nur den medizinischen Bedarf deckt, sondern auch die jeweiligen Alltagsanforderungen berücksichtigt.
Die Versorgung beinhaltet dabei:
- Eine detaillierte Bedarfsanalyse durch Fachkräfte
- Die Auswahl und Anpassung geeigneter Hilfsmittel
- Eine Testphase mit Hilfsmitteln (z. B. Sprachcomputer oder Rollstuhl)
- Eine Schulung für den Umgang mit den Hilfsmitteln für Euer Kind, die Familie und ggf. Schulbegleitung
- Eine Dokumentation sowie die Antragstellung bei der Krankenkasse
Die Auswahl der passenden Hilfsmittel: Wer unterstützt euch dabei?
Damit auch wirklich eine Versorgung gewährleistet werden kann, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen Eures Kindes orientiert, arbeiten bei der Auswahl der richtigen Hilfsmittel gleich mehrere Parteien eng zusammen.
Eure Ansprechpartner sind dabei in der Regel:
- Sanitätshäuser mit Kinderreha-Schwerpunkt, die Euch individuell beraten, Teststellungen organisieren und Euch bei der Antragstellung unterstützen.
- Therapeuten aus der Ergo-, Physio- oder Logopädie, die wertvolles Fachwissen einbringen und Empfehlungen geben können, welche Funktionen gezielt gefördert oder unterstützt werden sollten.
- Ärzte, unter anderem Kinderärzte, Neuropädiater oder Reha-Spezialisten, die die Verordnung ausstellen und den Antrag fachlich begleiten.
- Frühförderstellen oder Schulbegleitungen, die den Alltag Eures Kindes kennen und wissen, welche Hilfsmittel wirklich einen Unterschied machen.
Was zahlt die Krankenkasse bei der Versorgung?
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen Hilfsmittel, wenn sie:
- medizinisch notwendig und im Hilfsmittelverzeichnis der GKV gelistet sind und
- durch eine ärztliche Verordnung nachgewiesen werden.
Wie beantragt man ein Hilfsmittel wie Mobilitäts- oder Kommunikationshilfsmittel für Kinder?
Um die passenden Hilfsmittel für Euer Kind mit Behinderung zu erhalten, gibt es einen klaren, standardisierten Ablauf, bei dem Fachstellen Euch Schritt für Schritt begleiten:
- Ärztliche Verordnung mit konkreter Diagnose und Zielsetzung
- Individuelle Beratung & Teststellung durch Sanitätshaus und ggf. Logopädie
- Antrag an die Krankenkasse mit Kostenvoranschlag und Dokumentation
- Prüfung und Bewilligung oder Widerspruch
- Versorgung & Einweisung inklusive Schulung für Kind, Eltern sowie ggf. Schule
Spezialfall: Inkontinenzversorgung (IKM) bei Kindern
Die Inkontinenzversorgung ist ein besonderer Bereich in der Hilfsmittelversorgung, der ganz eigene Regeln hat. Zum Beispiel läuft sie meist nicht über das Sanitätshaus, sondern über spezielle Vertragspartner der Krankenkasse. Außerdem müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit die Kosten übernommen werden, wie etwa ein langfristiger Bedarf (mindestens 6 Monate).
Wir empfehlen betroffenen Familien deshalb, sich besonders in diesen Fällen kompetent beraten zu lassen. Das kann etwa von Eurer Kinderärztin, in einem Sanitätshaus, bei einem Pflegedienst oder auch einer spezialisierten Beratungsstelle sein.
Wir sind für euch da!
Ihr habt Fragen rund um den Prozess und die für Euch passenden Hilfsmittel für Euer Kind? Dann nehmt gerne Kontakt mit uns auf. Unser familienentlastender Dienst steht Euch als Familie jederzeit zur Seite und vermittelt Euch die richtigen Kontakte.
Zudem unterstützen wir Euch auch mit einem breiten Angebot an weiteren Leistungen, um Euch den Alltag zu erleichtern:
